Hamlet – Im Schwachen wirkt die Einbildung am stärksten.

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Hamlet. Nicht mein erstes Theaterstück, aber das Stück, welches mir die Augen für die Theaterwelt geöffnet hat. Das Stück, in dass ich mich direkt verliebt habe. Das Stück, was mich süchtig machte. Süchtig nach Theater, süchtig nach Shakespeare, süchtig nach Hamlet.

Und dabei mochte ich Shakespeare nie…

Es fing damit an, dass ich ihn nicht verstand. In der Schule hatten wir ganz kurz mal Romeo und Julia. Und natürlich kennt man so einige Stücke. Ich kaufte mir mal den Sommernachtstraum auf Englisch. Weil, ich wollte ja cool sein. Ich wollte gebildet sein. Und Shakespeare muss man ja mögen. Shakespeare ist das große Ding! Also tat ich immer so, als würde ich wissen, worum es geht.

Erst in der Uni, als wir zum Thema “Memory” Henry V. durchnahmen, gestattete ich mir einzugestehen: Ich verstehe kein einziges Wort! Ich raff echt nicht was er sagen will. Die Sprache bringt mich um. Ich mag Shakespeare nicht. Aber vielleicht hatte ich es nur einfach nicht versucht?

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Doch dann ging ich in Hamlet. Und ich verstand zum ersten Mal in meinem Leben was es bedeutet, Shakespeare gut zu finden. Ich verstand auf einmal die Geschichte. Die Konflikte. Die Hintergründe. Die Figuren. Ich wurde in die Welt gesogen und kam nicht mehr heraus. Auch als ich danach das Stück selbst las, war ich nicht gelangweilt. Es war toll! Endlich mochte ich Shakespeare!

Und wie kommt das? Tja, das Stück, Dramaturgie von Robert Koall (<3) und Regie von Roger Vontobel (<3), hat es in sich. Das Bühnenbild ist genial. Außerdem wird viel mit Musik und Licht gearbeitet. Und natürlich liegt auch ganz viel an Hamlet selbst, gespielt - oder besser gelebt - von Christian Friedel (<3<3<3). Er _IST_ Hamlet! Er ist zumindest mein Hamlet. Wenn ich Herrn Friedel woanders sehe, in einem anderen Kontext, dann ist er Herr Friedel. Aber in Hamlet, da ist er jemand anders. Ob ich nur die Bilder sehe oder die Stücke höre (vor allem bei Moustrap). hamlet_01

Die erste Hälfte des Stückes besteht hauptsächlich aus Musik und einer Situation, die alle Beteiligten in eine Konzertszenerie setzt. Hamlet spielt ein Tribut-Konzert für seinen toten Vater, der ihm dann als Geist begegnet und ihm sagt, wer wirklich für seinen Tod verantwortlich ist. Nach dieser ersten Hälfte war ich schon verzaubert. Das Gefühl, welches man hat, wenn man im Saal sitzt und diese Musik einen durchströmt. Man hört sie nicht nur, man lebt sie. Hamlet lebt sie.

Die zweite Hälfte ist klassischer. Dramatik und Witz sind andeinandergereiht. Es gibt Schreckmomente und Auflockerungen. Man kauft Hamlet seinen Zwiespalt richtig ab.

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Die Musik wurde von den Woods of Birnam gemacht. Die Band von Christian Friedel. Die Texte stammen hauptsächlich von Shakespeare selbst. Deswegen passen die Britpopindiesongs so super in das sonst recht klassisch gehaltene Stück.

Mittlerweile sah ich Hamlet 4 Mal, einmal davon saß ich in der ersten Reihe. Da sieht man nicht alles, aber man ist mitten im Geschehen und dafür lohnt es sich. Hamlet ist ein Aushängeschild für Shakespeare. Zumindest für mich. Ich könnte es mir noch hundert Mal angucken!