Miss Sara Sampson – Lessings Trauerspiel mit komödiantischer Annäherung

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An Halloween hatte ich nichts besseres zu tun, als zur Voraufführung (oder auch Generalprobe) von Miss Sara Sampson zu gehen.

Nein, tatsächlich war das meine favorisierte Abendbeschäftigung, zumal Voraufführungen weitaus billiger sind und auch lustiger. Kann doch hier noch so einiges schief gehen und neu probiert werden. Das hat einen gewissen Charme.

Es verschlug mich auch noch in die erste Reihe. Die Auswirkung dieser Situation wurde mir erst dann so richtig bewusst, als ich Christian Clauß so nah wie noch nie war. Und dann machte er auch noch in Unterhose Sport. Direkt vor meinem Gesicht. Na dann.

Es sollte ein Trauerspiel sein, von Lessing. Nun ist Lessing ja nicht gerade für seine vollkommen verständliche Sprache bekannt. In den Teilen, in denen auch tatsächlich noch diese Sprache gesprochen wurde, döste ich gedanklich auch etwas davon und beschäftigte mich mit dem Beobachten von Herrn Clauß. Bloß gut, dass in dem Stück auch Englisch, Niederländisch und Sächsisch gesprochen wurde. Und das in so einer hübschen Mischung. Erfrischend und witzig zu gleich.

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Die Szenerie baut sich auf einem Campingplatz auf. Alle Wagen sind auch verschiebbar, die armen Schauspieler müssen sie selbst durch die Gegend schieben oder ziehen. Das mag nicht immer einfach sein, vor allem nicht auf so hohen Schuhen, wie Cathleen Baumann sie anhatte.

Das eigentlich ernste Thema wurde mit schönen Slapstickmomenten und Musicalreifen Showeinlagen aufgepeppt, sodass auch der gelangweilste Mensch im Publikum mindestens hier lächeln muss. Natürlich bleibt das Ende ein trauriges, es ist ja schließlich ein Trauerspiel. Und das ist doch auch mal ganz schön? Immer diese verliebten Pärchen am Ende nerven doch auch ;)

Die Besetzung ist oberklasse und im Zusammenspiel funktionieren sie so herrlich! Ines Marie Westernströer spielt die verzweifelte Tochter wunderschön, ihre ständig wechselnde Garderobe und Haarpracht bringt weiteres Flair in die Sache. Zusammen mit Christian ist sie ein schönes Team. Doch auch Christian und Cathleen haben ihre Momente. Wenn dann Matthias Buss als Bella, die Tochter von Mellefont (Christian) und Marwood (Cathleen), mit auftaucht, sind Lacher garantiert. Ben Daniel Jöhnk spielt den Vater herzallerliebst. Sein treuer Diener wird ebenfalls von Herrn Buss gespielt. Diese Doppelrolle ist wohl die schwierigste Aufgabe gewesen, und Herr Buss hat das so meisterhaft rüber gebracht, dass einem gar nicht erst bewusst war, dass es ein und die selbe Person sein soll, die diese Rollen verkörpert. Respekt!

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Jeder Spieler passt wie die Faust aufs Auge zur Rolle. Herrlich, sie darin aufgehen zu sehen. Und typisch für Herrn Clauß sind all die krassen körperlichen Anstrengungen. Sei es Sport, halb erwürgt werden oder krasses Rumgespringe.

Alles in allem ein wunderschön kurzweiliges Stück, toll besetzt, wundervoll gespielt. Herrliche Abendgestaltung!