Tschick – Viel mehr als ein Jugendroman

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Seit ich klein war, hatte mein Vater mir beigebracht, dass die Welt schlecht ist. Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten guckt: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV guckt: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.

Tschick. Tschick ist eine Geschichte von Wolfgang Herrndorf. Ein Jugendroman, ein Experiment ob Jugendromane heute genauso gut sein können wie Jugendromane damals. Herr Herrndorf hat eine ganz besondere Geschichte, vor allem nachzulesen auf seinem Blog “Arbeit und Struktur” (Ist aber auch als Buch erhältlich).

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Worum geht es in Tschick?

Die Geschichte wird von Maik Klingenberg erzählt. Einem 14jährigen Außenseiter, der sich nichts sehnlicher wünscht, als von seinem Schwarm Tatjana beachtet zu werden. Als er jedoch nicht einmal zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen wird, obwohl er monatelang an einem Geschenk gearbeitet hat, bricht für ihn eine Welt zusammen. Doch da ist noch Tschick. Der Neue in der Klasse. Tschick klaut einen Lader und holt Maik ab. Die beiden fahren bei Tatjana vorbei, doch dann fahren sie einfach weiter. Der Beginn einer wunderbaren Reise in die besten Sommerferien von 14jährigen Jungen.

Was die beiden auf dieser Reise erleben ist schier unglaublich, aber dann irgendwie doch wieder so “normal” dass man jedes Wort glaubt. Der Ich-Erzähler ist nicht gerade verlässlich und genau das macht es so “wahr”. Manchmal vergisst man, dass dieses Buch ein über 40jährige Mann mit einem Tumor geschrieben hat. Und das tut auch nichts zur Sache.

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Das Theaterstück

Zuerst habe ich das Stück gesehen. Damals mit der “Originalbesetzung” von Sebastian Wendelin (als den besten Tschick) und Nina Gummich (als Isa). Ich war gut unterhalten und dadurch, dass die Darsteller natürlich nicht 14 waren, kam es mir gar nicht so jugendlich vor. Die Geschichte hat mich trotzdem ergriffen.

Ein zweites Mal sah ich dann Tschick in der Zweitbesetzung und momentanen Dauerbesetzung mit André Kaczmarczyk als Tschick und Lea Ruckpaul als Isa. Man merkt bei André kaum einen Unterschied, er redet exakt wie Wendelin. Und das ist auch gut so. Dieses zweite Mal war nach meiner Lektüre und es hat mich noch viel mehr ergriffen.

Obwohl ich die Geschichte schon kannte, konnte ich das Buch kaum weglegen, weil ich unbedingt weiterlesen wollte. Man konnte oft lachen, aber manchmal musste man auch die Tränchen verdrücken. Gerade beim Zitat oben. Ich kann jedem nur das Buch und auch das Theaterstück empfehlen!

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Und sonst?

Lasst euch von dem Wort “Jugendroman” nicht abschrecken. Manche Schulen lesen Tschick schon im Unterricht und das finde ich super. Im Theater trifft man auch oft Schulklassen. Tschick lehrt einem, alt wie jung, viel über das Leben. Ich würde es immer wieder lesen.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Autor. Sein Blog ist keine leichte Kost. Er schreibt darüber, wie er mit seinem Tumor umgeht. Manchmal ist das so ergreifend und hart, dass ich Pause machen muss das zu lesen. Er ist schonungslos und ehrlich. Das Traurigste ist, dass er nie das Theaterstück selbst gesehen hat, weil er es einfach nicht mehr geschafft hat.

Danke Wolfgang Herrndorf, Danke für Tschick.