4 Wochen in England – Part 2

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Dieser Post besteht aus mehreren Teilen meines Reieseberichts der ursprünglich bei Nepheliad hier, hier und hier erschien.

Habt ihr schon mal ein Schwein geschlachtet? Nein? Ich auch nicht. Habt ihr schon mal ein geschlachtetes Schwein auseinander geschnitten? Nein? Ich schon. Hier in England.

Ich war ja nicht so sehr davon begeistert, dass ich dabei helfen sollte das Schwein auseinander zu schneiden. Immerhin sah es noch wie ein Schwein aus. Aber im Grunde ist es wie, als wenn man ein Steak klein schneidet oder Rippchen vom Knochen entfernt. Nur, dass da eben noch mehr Knochen und die Haut dran sind.

“The Shippen” heißt das Haus, in dem the butchery ist. Die Fleischerei quasi. Wenn man reinkommt, sieht alles sehr sauber und nach Tierarzt aus. Alles wird eh und je geputzt und auch desinfiziert. Man bekommt eine Schürze und wenn man will auch Handschuhe. Und dann gehts auch schon los. Tischplatte desinfizieren, Messer desinfizieren und Schweinehälften raus. Dave erklärte mir welches Teil vom Schwein was ist und wie man am besten schneidet. Mir hätte das Zugucken auch gereicht, aber plötzlich lag ein Stück Fleisch vor mir und ich sollte es vom Knochen befreien. Ohje! Nachdem ich mir einmal fast den Finger abgesäbelt hätte, ging es auch schon besser. Nach ein paar Stunden hatten wir das ganze Schwein kaputtgeschnitten. Nicht sehr challenging, denn aus diesem Schwein sollten nur Würstchen und Burger gemacht werden. Also musste man nicht darauf achten das Fleisch schön aussehen zu lassen, sondern einfach kaputt und weg damit.

Am nächsten Tag sollten wir Würstchen machen. Also erstmal das Fleisch in den “mincer” – also den Fleischwolf. Dann, nach dem ersten Durchgang, die Gewürze dazu. Hier werden die Gewürze selber zusammen gemischt, man will ja wissen was drinnen ist. Die Gerüche waren unglaublich! Nach dem Mischen von Fleisch und Gewürzen nochmal durch den Mincer und dann in die Würstchenmaschine. So einfach ist das. Der Rest wurde dann am nächsten Tag zu Burgern, also eher zu den Patties. Dazu einfach das Hack abwiegen und je 140g in die Burgermaschine. Dann haben wir noch alles zusammengepackt, die Würstchen in Tüten und die Burger in Tüten und fertig.

Ich hätte nicht gedacht, dass aus einem kleinen Schwein so viele Burger und Würstchen rauskommen können. Aber der Geruch in der butchery ist ziemlich eklig.

Außer dem Farmleben, Schweine füttern, mit den Ferkeln spielen, das Fleisch verarbeiten und die Spülmaschine ein und ausräumen, gibt es natürlich noch die Landschaft zu erkunden. Ich habe bisher drei größere Ausflüge gemacht, zwei mit dem Rad, einen zu Fuß. Außerdem habe ich mir die Farm etwas näher angesehen, die hat nämlich auch schöne Ecken.

Ford Mill Farm

Ford Mill Farm hat 17 Schweine und viele kleine Ferkel, 2 Lämmer (Lammy und Lambo), einige Hühner und zwei riesige Bassets – Dachshunde. Dazu kommen noch ein paar Felder und ein kleiner See, der sehr schön anzusehen ist.

Atlantik – Bucks Mills

Ich nahm das Fahrrad mit den nicht so guten Bremsen und dachte mir einfach: ich will zum Atlantik. Das stellte sich als sehr schwer heraus, denn diese Hügel hier sind wirklich anstrengend. Nichts destotrotz schaffte ich es nach Woolsery nach Bucks Mills und dort an die Küste. Übrigens ist eine Fahrt 5,6 Meilen lang.

Spaziergang rund um die Farm

Mit nur 4 Stunden Zeit lässt sich nicht ganz so weit kommen. Also nur ein “kleiner” Spaziergang von 8 Meilen. Zwischendurch dachte ich, ich würde mich verlaufen, aber wie Dave so schön sagt “If you turn left, you eventually come back here – and if you turn right, you will come back as well.” Also kann man wohl nicht viel falsch machen.

Als ich endlich die richtige Straße wiederfand, hatte ich sogar noch eine Stunde übrig. Huch!

Holsworthy

Heute hatte ich sogar noch mehr Zeit, also schnappte ich mir das Fahrrad mit dem Ziel: kleines Örtchen, wo es vielleicht einen Laden oder etwas zu sehen gibt. Ich fuhr los richtung Bradworthy, doch dort sah ich, dass ich mich geirrt hatte, denn viel war dort nicht. Also strotzte ich dem Straßenschild an dem 7 Meilen standen und machte mich auf nach Holsworthy, denn ich wusste, dort gibt es ein Waitrose. Insgesamt hatte ich dann 24 Meilen auf dem Buckel, als ich wieder auf der Farm ankam.

Nächsten Dienstag geht es nach Barnstaple mit dem Bus. Vielleicht ist noch ein Ausflug zur anderen Seite mit Atlantikküste geplant. Google Maps sagt es seien nur 8 Meilen und das schaff ich ja nun mit links.

Weitere Ausflüge standen natürlich auch noch auf dem Plan.


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Barnstaple

Am Dienstag hatte ich meinen “Day Off” und nahm den Bus nach Barnstaple. Aber das was sich so leicht hier tippen lässt, war die reinste Tortur. Die Engländer haben es wohl nicht so mit Bussen. In Woolsery an meiner Anfangshaltestelle war der Bus erst einmal schon 15 Minuten zu spät. Dann standen wir 10 Minuten irgendwo rum, weil ein “Highway Patrol” Auto den Weg versperrte. Die Straßen hier auf dem Land sind ja gerade mal ein Auto breit, sodass ich sogar als Fahrradfahrer Angst haben muss und lieber zur Seite gehe. Auf dem Weg nach Bideford verfuhr sich der werte Herr Busfahrer erst einmal, weil EINE Straße gesperrt war. Plötzlich waren wir in Westward Ho! was für mich natürlich wunderbar war, denn der Ausblick auf den Strand ist so herrlich <3 Ich war vollkommen begeistert. Ich saß natürlich oben im Doppelstockbus. Jedoch hatten wir hilfsbereite Engländer mit im Bus, die dann die Richtungen runter schrien, wo denn Herr Busfahrer abbiegen sollte. Irgendwann kamen wir tatsächlich in Bideford an.

In Bideford musste ich umsteigen in einen Bus der mich endlich nach Barnstaple bringen sollte. Schön hier in England ist jedoch, dass ein Tagesticket für den Stagecoach nur 3 Pfund irgendwas kostet. Damit kann ich dann mit dem Bus durch ganz Devon fahren, yeah. Als ich also endlich im Bus saß, dachte ich, nun kann mir ja nichts mehr passieren. Pustekuchen! Kaum aus Bideford raus, brach der Bus irgendwie zusammen. Ein lautes Piepen ertönte und der Busfahrer meinte dann, “Air is low” oder sowas und es wäre gefährlich weiter zu fahren. Kurz darauf kam auch ein weitere Bus der uns alle mitnahm, allerdings einer von “First” was mich weitere 1,60 Pfund kostete. Nun denn, Hauptsache endlich nach Barnstaple.

Barnstaple war nicht so groß wie ich es mir vorgestellt hatte. Es gibt allerdings eine kleine Einkaufsstraße mit ein paar tollen Geschäften die ich alle durchstöbert habe. Pause gemacht habe ich dann am Pier mit einem tee und Sandwich von Costa.

Die Fahrt nachhause war gottseidank unproblematisch und alles lief gut. Es war also ein schöner Shoppingtag!

Atlantik Nummer 2

Dieses mal wollte ich unbedingt noch an die westliche Küste von Devon! Google Maps spuckte mir folgenden Weg aus:

8 Meilen, circa 12 Kilometer pro Strecke. Da ich nach Holsworthy schon 12 Meilen pro Strecke und insgesamt 38 Kilometer geschafft hatte, dürfte das hier ja ein Klacks werden. War es auf der Hinfahrt auch! Es kam mir nicht wie 8 Meilen vor, es ging wirklich schnell, bis ich zum “Abstieg” runter zum Strand kam.

Das sieht hier vielleicht nicht so aus, aber der Anstieg war bestimmt so 40%, also sehr sehr steil. Ich bin sowohl runter als auch hoch gelaufen, denn die Bremsen meines Fahrrads sind nicht die besten. War auch eine gute Wahl.

Das ganze hat sich aber irre gelohnt denn Welcombe Mouth ist mit der schönste Strand den ich je gesehen habe. Lauter komische Felsformationen, wo man sich fragt, wie zum Teufel die Natur sowas hinbekommt, schöner Sandstrand (der natürlich nur nass war), Wellenrauschen, grüne Wiesen mit Schafen und Kühen drauf, kleine Wasserfälle, hohe Klippen. Alles dabei. Ich habe den ganzen Tag dort verbracht und wollte gar nicht mehr weg. Bilderflut ahoi!