Rezension “Das Haus der Malerin” von Judith Lennox

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Mit „Das Haus der Malerin“ hatte ich erneut ein Rezensionsexemplar vor mir liegen. Der Januar galt ja bei mir als Rezensionsbuch-Weglese-Monat. Da ich vorher den neuesten Musso gelesen hatte und ganz und gar nicht begeistert war, konnte es ja nur besser werden.

„Zwei Schwestern wie Tag und Nacht und ein schreckliches Geheimnis“

„Surrey 1970: Rose Martineau führt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern ein beschauliches Leben. Doch die Idylle wird durch zwei unerwartete Ereignisse Jagd bedroht. Zum einen erbt sie ein Haus in den dichten Wäldern von Sussex, das eine eigenartige Aura umgibt. Ursprünglich hatte es der bislang unbekannten Schwester ihrer Großmutter, Sadie, gehört, einer begabten Künstlerin, die eines Tages spurlos verschwand. Zum anderen bringt ein Presseskandal Roses Bilderbuches ins Wanken. Rose stürzt sich immer tiefer in die Nachforschungen über Sadie. Wer war diese Frau, warum wurde sie totgeschwiegen? Schließlich geht sie dem düsteren Geheimnis auf den Grund – und muss erkennen, dass alles, was bisher sicher schien, infrage steht.“

Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht. Es spielt in England und hat eine Frau als Hauptperson und es geht um ein Haus und um Kunst? Yes please! Sign me up! Und ganz ehrlich? Ich wurde nicht enttäuscht.

Gleich auf den ersten paar Seiten merkte ich, was mir beim Musso gefehlt hatte: organische Beschreibungen, keine „ach ich bin ja so intelligent“-Sätze und Herleitungen vom Autor. Es fühlte sich alles richtig an, fließend und einfach nett zu lesen.

Im Mittelpunkt steht Rose Martineau, die einige Schicksalsschläge hinnehmen muss. Zuerst stirbt ihre Großmutter und sie erbt ein Haus in Sussex. Dann ist da noch der Skandal um ihren Ehemann, der die Ehe in den Abgrund stürzt. Hier habe ich mich an „Vox“ erinnert und war dermaßen erleichtert, dass sich Rose als viel stärkere Frauenfigur entpuppte. Und das in den 1970er Jahren! Denn Roses Geschichte spielt in den 70ern, während es zwischendurch immer wieder Kapitel aus den 1930ern gibt, in denen Sadie, Roses Großtante und Schwester ihrer verstorbenen Oma, die Hauptrolle spielt. Auch Sadie ist eine weitaus stärkere und „bessere“ Frauenfigur als alles aus „Vox“ und dem Musso zusammen genommen.

Im Prolog lernt man Edith kennen, das einzige Kapitel aus ihrer Sichtweise. Man lernt, wie sehr sie Sadie verabscheut und sich ungerecht behandelt fühlte von ihrem Vater. Man lernt auch, was mit ihren Eltern passierte. Daraufhin wechseln wir abwechselnd zu Rose und Sadie. Ich war durch den Prolog darauf eingestellt Sadie nicht zu mögen, aber sie wuchs mir wirklich ans Herz. Eine missverstandene und tolle Person, zumindest, wie sie dargestellt wurde.

Das schöne ist, dass man nicht durch Roses Augen auf Sadie blickt, sondern als Leser mehr erfährt als Rose. Zwar in einem ähnlichen Tempo und mit ähnlichen Hinweisen, doch wir bekommen als Leser viel mehr Hintergrundinformationen. Und dennoch wirkt alles unglaublich spannend. Ich wollte teilweise gar nicht mehr aufhören zu lesen, weil ich wissen wollte wie es weiter geht.

Auch wie Rose ihr Leben bestreitet, eine Firma leiten, eine gebrochene Ehe verarbeiten, zwei Töchter großziehen, nach der Großtante suchen, evtl. eine neue Liebe kennenlernen… Sie meistert das alles großartig, wenn auch nicht ohne Rückschläge. (Selbst mir pochte das Herz, in dem Kapitel, als ihre Tochter verschwunden war, puh!)

Es ist spannend eine Geschichte erzählt zu bekommen, die in zwei Zeiten spielt, und keine davon ist die unsere. Es ist spannend zwei mal in die Vergangenheit zu blicken und jeweils ins „Jetzt“ der 1970er und 1930er zu schlüpfen. Gerade die 30er waren sicherlich unglaublich spannend, aber auch so unendlich traurig.

SPOILER

Und da kommen wir zum Traurigen der Geschichte. Sadies Geschichte war bis zu letzt spannend, aber auch unglaublich traurig. Ich darf gar nicht länger drüber nachdenken, weil ich mich sonst verliere. Dass sie so ein Ende finden musste und dann 40 Jahre warten musste, bis jemand herausfand, was mit ihr passierte… puh… ich frage mich, ob ihre Freunde, ihre Familie, sie wirklich so wenig geliebt haben… Klar, ihre Freunde versuchten sie zu finden und wurden weggeschickt, die 30er scheinen da anders gewesen zu sein, aber puh…

Genauso traurig ist es auch, dass es ihrem Lover, Andrés ähnlich erging. Und keiner von beiden wusste, wo der andere war, und dass sie sich nie wieder sehen würden und nie voneinander wissen würden, was geschehen war… Obwohl alles was sie wollten, war, nur beieinander zu sein. *schnief*

SPOILER ENDE

“Das Haus der Malerin” hat mich wirklich mitgenommen und sehr sehr gut unterhalten. Es kommt auch ohne epische Actionszenen oder krasse Plottwists aus (nun ja…) Und vor allem: ohne Klischees. Ja, eine Sache hätte man sich am Ende definitiv denken können, aber es wirkte dennoch alles organisch und nicht vom Autor so hingelegt. (Entschuldigt, aber ich vergleiche gern mit dem schlechten Musso Roman ^^)

Es ist ein spannungsreicher Wohlfühl-Roman. Sowas hätte ich gern mehr.

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